Die operative Korrektur der Beckenbodenschwäche

Körperbänder, die überdehnt sind und nicht mehr funktionieren, werden erneuert und wieder in die Muskeln eingesetzt, die den Beckenboden spannen (siehe Aufbau und Funktion und Diagnostik).

Die Gebärmutter, die Blase, die Scheide und der Darm können dadurch in ihre natürliche Lage zurück gebracht werden und wieder normal funktionieren. Dieses ist erst dadurch möglich geworden, dass wir spezielle Instrumente entwickelt haben, mit denen sich die Bänder an jede gewünschte Stelle im Beckenboden bringen lassen.

Das Innovative der von uns verwendeten künstlichen Bänder besteht darin, dass der Körper angeregt wird, Bindegewebe und elastische Fasern in das Netzgewebe einspriessen zu lassen. Dadurch wirken diese Bänder wie gesunde, elastische, körpereigene Bänder. Die Operationen werden vaginal in kleinen Schnitten durchgeführt und erfordern höchste Genauigkeit und sehr gute anatomische Kentnisse.

Dadurch, dass gewebeschonend in einem Bereich operiert wird, der kaum Nerven enthält, vermeidet man weitgehend Schmerzen nach der Operation und ein Ausreißen der Nähte, was früher zu schlechten Ergebnissen führte. Die Operation kann auch bei Patientinnen mit hohem Alter durchgeführt werden.

Chirurgisches Vorgehen bei Schäden in der vorderen Beckenbodenzone


Wenn der Bandapparat in der vorderen Zone geschädigt ist, können die hier ansetzenden Muskeln die Harnröhre, teilweise auch den Darm bei körperlicher Belastung nicht mehr ausreichend verschließen. Das führt zum unkontrollierten Urinverlust ( Belastungsinkontinenz oder Stressinkontinenz ) und manchmal Stuhlabgang ( Stuhlinkontinenz ).

In diesen Fällen muss das geschädigte Band durch ein künstliches ersetzt werden. Ein 8mm breites Kunststoffband wird mit 1 oder 2 kleinen Schnitten von der Scheide aus unter die Harnröhre gelegt und hinter dem Schambein (TVT) oder in der Leiste (TOT) nach außen geführt.

Seit kurzem verwenden wir auch eine Methode, mit der wir das Band im Gewebe unter dem Schambein fixieren und das Band nicht mehr nach außen bringen müssen (TFS). Dadurch ist eine Verletzung von Blase und Gefäßen nahezu ausgeschlossen. In das Band wächst innerhalb von drei Monaten Bindegewebe ein.

Auf diese Weise macht das einwachsende körpereigene Gewebe aus dem künstlichen Band ein körpereigenes, elastisches Band. Dadurch kann die Beckenbodenmuskulatur wieder normal auf die Scheide und die Harnröhre einwirken.

Chirurgisches Vorgehen bei Schäden in der mittleren Beckenbodenzone

In der mittleren Zone ist die vordere Scheidenwand beiderseits seitlich an einem Band befestigt. Die Scheidenwand kann mittig oder seitlich nachlassen.

Mit herkömmlichen Operationen ist der mittige Defekt schwer zu korrigieren. In ca. einem Drittel kommt es zum Rezidiv, da das schwache Gewebe wieder nachgibt. Wir verstärken daher die Scheidenwand mit Kunststoffbändern oder –netzen. Überschüssiges Gewebe wird nicht weggeschnitten, sondern wieder verwendet, in Schichten übereinandergelegt und dadurch das Gewebe verstärkt.

Da der seitliche Defekt sich anatomisch von dem o.g. unterscheidet, muss die Korrektur anderes erfolgen. In diesen Fällen ist es notwendig, die seitlichen Bänder zu erneuern und die Scheide wieder an der Seite aufzuhängen. Auch dies gelingt nur mit Hilfe von Kunststoffbändern, da ansonsten das Gewebe wieder nachgibt.

Chirurgisches Vorgehen bei Schäden in der hinteren Beckenbodenzone

Wenn der Bandapparat in der hinteren Zone geschädigt ist, kommt es zu einer Senkung oder zum Vorfall der Gebärmutter und der hinteren Scheidenwand.

Wie bei einem Nabel- oder Leistenbruch entsteht eine Bruchpforte, in die Blase und Darm hinein gelangen können, was zu Blasenentleerungsproblemen, quälendem Harndrang, Stuhlschmieren, aber auch zu erheblichen Schmerzen im Unterleib, Rücken oder bei Sex führen kann. Wenn die hinteren Bänder erschlafft
sind, können sie nicht mehr die Nerven abfedern. Schmerzen im Rücken,
im Unterleib oder beim Sex sind die Folge.

In diesen Fällen muss der hintere Bandapparat durch ein Kunststoffband erneuert werden und zusätzlich eine Verstärkung der Scheidenwände erfolgen, um den Scheidengrund zu festigen und die Scheide zu strecken. Die Scheide und der Darm bekommen wieder ihre natürliche Lage.

Um das eingelegte Band bildet sich in den folgenden zwei bis drei Monaten körpereigenes Gewebe. Dadurch wirkt das künstliche Band letztlich wie ein neues, körpereigenes Band. Nach der Einheilung des Bandes kann das neue, natürliche Band wieder normal auf die Scheide und den Darm einwirken.

Chirurgisches Vorgehen bei Senkung oder Vorfall der Gebärmutter oder Scheide

Ein Tiefertreten der Gebärmutter oder der Scheide bis zum Scheideneingang wird Senkung, eine Vorwölbung nach außen Vorfall genannt. Zur Senkung kommt es, wenn die Haltebänder nachgeben und die Gebärmutter nicht mehr gegen die Schwerkraft zurückhalten. Erschlaffen zusätzlich auch die Scheidenwände, kann die Gebärmutter sich weiter nach unten senken und mitsamt den Scheidenwänden nach außen vorfallen, Vorfall oder Prolaps genannt.

Eine Lockerung oder Schädigung der Haltebänder oder Scheidenwände tritt vor allem nach vaginalen Geburten, mit fortschreitendem Alter, erbbedingt oder nach einer Gebärmutterentfernung auf. Nach Entfernung der Gebärmutter werden Haltebänder und Scheidenwände nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt, das Gewebe erschlafft und gibt nach. Insofern bietet der Erhalt der Gebärmutter den besten Schutz gegen die Bildung einer Senkung bzw. eines Vorfalls und gegen nachfolgende, dadurch bedingte Blasen- und Darmprobleme.

Bei Scheidensenkung/Vorfall mit oder ohne Gebärmutterentfernung handelt es sich also um eine Ausstülpung oder einen Bruch. Um operativ ein gutes Ergebnis zu erreichen, müssen Scheidenwände wie bei einem Leisten- oder Nabelbruch überwiegend mit künstlichen Netze verstärkt und verankert werden. Weiterhin ist eine Korrektur der Haltebänder und ein Verschluss der Bruchpforte erforderlich. Dies kann vaginal und/oder laparoskopisch (durch Bauchspiegelung) erfolgen.

Dieser Text enthält Ideen, Inhalte und Figuren aus den Originalarbeiten von Petros & Goeschen