Hier finden Sie Antworten zu Fragen bei Inkontinenz

Es ist ein Tabu-Thema und doch betrifft es so viele.

Probleme mit der Blasenfunktion sind besonders beim weiblichen Geschlecht weit verbreitet: Schätzungsweise leiden mehr als vier Millionen Frauen unter einer Blasenschwäche.

Dr. Ion-Andrei Müller-Funogea, Chefarzt der Gynäkologie am Marienhospital, und Fachmann für Fehlstellungen im Beckenboden, einer der häufigsten Gründe für eine tropfende Blase, beantwortet hier Fragen zu Inkontinenz.

Wer ist von einer Blasenschwäche betroffen?

Hauptsächlich sind es Frauen, was an Anatomie von Scheide, Becken und Blase liegt, doch auch Männer können etwa nach einer Prostata-Erkrankung an einer Fehlfunktion leiden.

Was sind die Ursachen?

90 Prozent aller Beschwerden bei Frauen sind auf zwei Probleme zurückzuführen: Eine Belastungsinkontinenz kann Frauen jeden Alters treffen. Beim Niesen, Husten oder beim Sport können diese Patientinnen den Urin nicht mehr in der Blase halten. Der Grund: Die Beckenbodenmuskulatur ist unterentwickelt, was durch das zunehmende Alter und einer geringeren Elastizität des Bindegewebes noch verstärkt wird. Bei dieser Form rät Dr. Müller-Funogea zu Beckenbodenübungen. Aber Vorsicht: „Es handelt sich dabei um eine Muskulatur, die die Frau nur bei der Geburt benutzt. Ich rate davon ab, Übungen in Broschüren oder im Internet nachzulesen. Vielmehr sollte ein Experte die Übungen anleiten. Die Frau muss ihren Körper kennenlernen.“

Doch nicht immer reichen Beckenboden-Übungen aus?

Stimmt, denn die zweithäufigste Ursache ist die sogenannte Dranginkontinenz. Frauen die daran leiden, können den Urin nicht mehr halten, haben ein ständiges Reizgefühl in der Blase, Wasserlassen ist aber nur in geringen Mengen möglich. Die Unterscheidung zur Belastungsinkontinenz ist wichtig, unterscheiden sich die Behandlungsmethoden doch sehr.

Was kann ich gegen diese Art der Inkontinenz tun?

Zu allererst einmal herausfinden, was genau das Problem ist. Der Beckenboden mit Gebärmutter, Blase, und Scheide muss immer als Ganzes betrachtet werden. Eine Blasenstörung kann viele Ursachen haben, doch häufig sind sie mit kleineren Operationen zu beheben. Müller-Funogea: „Viele Frauen denken, drei, vier Mal in der Nacht auf die Toilette zu müssen: Das ist jetzt mein Schicksal. Aber das stimmt nicht.“

Wo kann ich mich untersuchen lassen?

Müller-Funogea ist ausgewiesener Experte beim Thema Blasenschwäche. Vor zehn Jahren gründete er das Beckenbodenzentrum in Aachen, seitdem hat er mehr als 1000 Operationen durchgeführt. Seit Sommer ist er nun im Marienhospital. Unter der Nummer  0211-44002452 ist dort eine spezielle Sprechstunde für Blasenprobleme eingerichtet.

Warum wird man nach einer Senkungsoperation manchmal inkontinent?

Inkontinenz und Blasensenkung können zwei unterschiedliche Krankheitsbilder sein.

Es ist möglich, dass eine Blasensenkung den unvollständigen Verschluss der Harnröhre, bzw. die Belastungsinkontinenz, „versteckt“, so dass – sofern die  Senkung operativ versorgt ist –  sich diese bereits vorhandene Störung erst zeigen kann.

Warum dauert die Schonungsphase nach einer Senkungsoperation 3 Monate?

Schonung heißt nicht gar nichts machen, sondern lediglich eine starke Belastung, die beispielsweise durch die Ausübung von Sport auftritt, zu vermeiden.

Etwa drei Monate dauert es bis der Beckenboden bis in die Tiefe des Bindegewebes nach dieser Operation verheilt ist.

Ist man nach einer Beckenboden-Operation auf Dauer beschwerdefrei?

Eine Garantie, dass der operierte Bereich im Beckenboden ewig hält, kann nicht gegeben werden. Im Laufe der Zeit ist es möglich, dass erneut eine Beckenboden-Senkung entstehen kann.

Studien belegen,  dass unter Anwendung neuester Operationstechniken die Rezidivgefahr bei unter 10% nach 10 Jahren liegt.

In welchem Alter ist mit einer möglichen Senkung oder Inkontinenz zu rechnen?

Oftmals betrifft es Frauen nach den Wechseljahren. Allerdings gibt es auch jüngere Frauen mit einer angeborenen Bindegewebsschwäche. Hier kommen häufig auch Erkrankungen wie Leistenbrüche, Hämorrhoiden oder Krampfadern vor.

Kann eine Geburt Ursache für eine Senkung oder Inkontinenz sein?

Ja, bei anstrengenden Geburten kann dies möglich sein. Auch bei Frauen mit angeborener Bindegewebsschwäche kann bereits die Schwangerschaft ungünstigen Einfluss auf den Beckenboden nehmen.

Schützt ein Kaiserschnitt vor Scheidensenkung oder Inkontinenz?

Nicht wirklich! Die Schwangerschaft selbst kann in Kombination mit anderen ungünstigen Faktoren wie z.B. Bindegewebsschwäche oder Übergewicht eine Gebärmutter-und Scheidensenkung verursachen.

Ist nach einer Senkung-oder Inkontinenz-Operation eine Schwangerschaft noch möglich und in wieweit wird das OP-Ergebnis negativ beeinflusst?

Eine Schwangerschaft ist möglich! Die Wiederherstellung des Beckenbodens und die Erhaltung der Gebärmutter sollen genau dieser Funktion dienen!

Allerdings sollte zur Schonung der versorgten Stelle eine Geburt durch Kaiserschnitt angestrebt werden.

Sind Blasen-und Scheidensenkungs-Operationen gefährlich?

Nein, in erfahrenen Händen sind diese Operationen überwiegend risikofrei. Wir operieren ausschließlich minimal-invasiv durch die Scheide (vaginal) oder durch Bauchspiegelung (laparoskopisch), d.h. durch kleine Zugänge. Diese Technik sorgt für wenige Wundflächen.

Ist im Rahmen einer Gebärmuttersenkung-und Scheidensenkungs-Operation immer eine Gebärmutterentfernung erforderlich?

Im Gegenteil! Die Gebärmutter kann und SOLL erhalten bleiben. Eine gesunde Gebärmutter bleibt mit ihren Haltebändern die wichtigste Verankerungsstelle des Beckenbodens.

Die von uns bevorzugte Operationstechnik nach Goeschen-Petros hat das Ziel, die Anatomie des Beckenbodens unter Erhaltung der Gebärmutter wieder herzustellen.

Studiotalk mit Dr. Ion-Andrei Müller Funogea